Schreibtisch richtig einstellen: Die passende Höhe im Sitzen und Stehen
72, 74 oder 76 Zentimeter? Wer nach der richtigen Schreibtischhöhe sucht, landet schnell bei einer Zahl. Genau das ist das Problem: Eine feste Zentimeterangabe kann für eine Person passen und für die nächste deutlich zu hoch oder zu niedrig sein.
Die bessere Frage lautet deshalb nicht: Wie hoch muss ein Schreibtisch sein? Sondern: Woran erkenne ich, dass meine Arbeitshöhe zu meinem Körper passt?
Mach es jetzt: vom Stuhl zur Tischplatte
Beim Sitzen beginnt die Einstellung am Stuhl. Die Füße stehen sicher auf dem Boden, die Oberschenkel liegen entspannt auf und die Schultern bleiben locker. Erst danach kommt die Tischplatte: Sie sollte so liegen, dass die Unterarme beim Arbeiten entspannt aufliegen können, ohne dass du die Schultern hochziehst oder dich nach vorne beugen musst.
Beim Stehen gilt dasselbe Prinzip. Steh aufrecht und entspannt, lass die Schultern unten und stelle die Arbeitsfläche auf eine Höhe, bei der deine Unterarme bequem arbeiten können. Nicht der Tabellenwert entscheidet, sondern die Haltung.
Warum 72 oder 75 Zentimeter keine Universalantwort sind
Menschen unterscheiden sich nicht nur in der Körpergröße. Beinlänge, Oberkörper, Oberarme und Unterarme unterscheiden sich ebenfalls. Zwei Personen mit 1,85 Meter können deshalb am selben Tisch eine andere optimale Einstellung benötigen.
Die aktuelle DGUV Regel 115-401 nennt für vollständig höhenverstellbare Büroarbeitstische einen Verstellbereich von 650 bis 1250 Millimetern. Für sitzende Tätigkeiten werden 650 bis 850 Millimeter, für stehende Tätigkeiten 950 bis 1250 Millimeter dargestellt. Diese Bereiche sind keine Aufforderung, einen bestimmten Wert blind einzustellen. Sie sollen ermöglichen, die Arbeitsfläche an unterschiedliche Körpermaße anzupassen.
Schreibtisch im Sitzen einstellen: in vier Handgriffen
- Zuerst den Bürostuhl einstellen. Setz dich vollständig auf die Sitzfläche. Die Füße stehen flach und sicher, die Beine haben ausreichend Platz.
- Schultern bewusst entspannen. Nicht zum Tisch hochziehen und nicht nach vorne fallen lassen.
- Unterarme in Arbeitsposition bringen. Tastatur und Maus sollten erreichbar sein, ohne dass du die Arme nach vorne strecken musst.
- Jetzt erst die Tischhöhe verändern. Stell die Platte so ein, dass die Unterarme entspannt aufliegen und du weder die Schultern anheben noch den Oberkörper absenken musst.
Hast du einen Tisch mit fester Höhe, ist der Spielraum kleiner. Dann muss der Stuhl zur Tischhöhe passen. Sind deine Füße anschließend nicht mehr sicher auf dem Boden, kann eine geeignete Fußstütze erforderlich sein. Ein zu hoher Tisch wird nicht dadurch ergonomisch, dass man einfach den Stuhl maximal hochfährt.
Der 20-Sekunden-Test
Leg beide Hände an Tastatur und Maus. Atme einmal bewusst aus. Ziehen sich deine Schultern nach oben? Musst du dich nach vorne beugen? Schweben die Unterarme dauerhaft in der Luft? Dann stimmt die Kombination aus Stuhl, Tisch und Eingabegeräten wahrscheinlich noch nicht.
Dieser kurze Praxistest ist oft hilfreicher als eine Zentimetertabelle. Er zwingt dich dazu, die tatsächliche Arbeitshaltung zu beurteilen.
Schreibtisch im Stehen einstellen
Fahr den Tisch nicht einfach auf irgendeine gespeicherte Stehhöhe. Stell dich zunächst so hin, wie du tatsächlich arbeiten möchtest: aufrecht, aber nicht militärisch steif. Knie nicht durchdrücken, Schultern locker lassen.
Dann bringst du die Arbeitsfläche zu deinen Unterarmen. Tastatur und Maus sollten ohne hochgezogene Schultern erreichbar sein. Wenn du dich zum Bildschirm vorbeugst, ist nicht zwingend der Tisch falsch eingestellt – möglicherweise stehen Monitor oder Schriftgröße ungünstig. Tischhöhe und Bildschirmposition sind zwei verschiedene Stellschrauben.
Sitzen oder Stehen: Was ist eigentlich besser?
Die falsche Alternative lautet: Sitzen oder Stehen. Ergonomisch sinnvoller ist der Wechsel.
Die DGUV empfiehlt Sitz-/Steharbeitstische ausdrücklich als Möglichkeit für zusätzliche Bewegung und häufige Haltungswechsel. Gleichzeitig warnt sie davor, Stehen als Ersatz für Bewegung zu verstehen. Ein ganzer Arbeitstag im Stehen ist also nicht das Ziel.
Praktisch heißt das: Nutze Telefonate, kurze Abstimmungen oder bestimmte Leseaufgaben als Anlass zum Aufstehen. Und verlasse den Arbeitsplatz regelmäßig ganz – ein paar Schritte sind etwas anderes als nur die Position am selben Tisch zu wechseln.
Vier Fehler, die wir häufiger für problematisch halten als zwei Zentimeter Abweichung
1. Der Stuhl wird nach dem Tisch eingestellt
Bei einem höhenverstellbaren Tisch sollte die Reihenfolge umgekehrt sein: erst eine stabile Sitzposition herstellen, danach den Tisch anpassen.
2. Die Armlehnen kollidieren mit der Tischplatte
Dann sitzt man plötzlich zu weit vom Tisch entfernt und beugt sich nach vorne. Prüfe deshalb nicht nur die Höhe, sondern auch, ob du nah genug an die Arbeitsfläche herankommst.
3. Unter dem Tisch steht zu viel
PC, Rollcontainer, Papierkorb und Kabel können den Beinraum so einschränken, dass selbst eine korrekte Tischhöhe wenig bringt. Die DGUV fordert unterhalb der Arbeitsfläche ausreichend freien Beinraum; die aktuelle Branchenregel nennt mindestens 850 Millimeter Breite und empfiehlt 1200 Millimeter oder mehr.
4. Der Stehmodus wird gekauft, aber nicht benutzt
Ein elektrisch höhenverstellbarer Tisch verbessert zunächst nur die Möglichkeiten. Der Nutzen entsteht erst, wenn du die Position tatsächlich wechselst.
Wenn du einen neuen Schreibtisch kaufst
Schau nicht nur auf Motoren, Speicherplätze und Hubgeschwindigkeit. Entscheidend ist zuerst, ob der Verstellbereich zu dir passt und ob ausreichend Arbeits- und Beinraum vorhanden ist.
Für reguläre Büroarbeitsplätze nennt die DGUV eine Arbeitsfläche von mindestens 160 × 80 Zentimetern; nur unter bestimmten Bedingungen kann eine geringere Breite ausreichen. Bei vollständig höhenverstellbaren Büroarbeitstischen ist der Bereich 65 bis 125 Zentimeter eine wichtige Orientierung. Außerdem sollte die Höhenverstellung einfach und unter Belastung sicher nutzbar sein.
Ein Detail wird beim Onlinekauf gerne übersehen: die niedrigste Höhe. Ein Tisch, der sehr hoch fahren kann, aber im Sitzen nicht tief genug herunterkommt, kann für kleinere Personen ungeeignet sein. Umgekehrt muss ein sehr großer Nutzer prüfen, ob die maximale Höhe eine entspannte Stehposition ermöglicht.
Klarhebel-Praxisregel: Speichere zwei gute Positionen
Hat dein Tisch eine Memory-Funktion, mach es dir einfach. Richte eine gute Sitzposition und eine gute Stehposition sorgfältig ein und speichere beide. Danach wird der Wechsel zu einer Taste statt zu einem kleinen Einstellprojekt.
Das klingt banal, ist aber relevant: Ergonomie funktioniert im Alltag besser, wenn die richtige Handlung wenig Aufwand verursacht.
Deine zwei Werte sind wichtiger als jede Tabelle
Eine Tabelle kann dir sagen, in welchem Bereich du ungefähr suchen solltest. Die endgültige Einstellung muss aber zu deinem Körper und deiner tatsächlichen Tätigkeit passen.
Stell im Sitzen zuerst den Stuhl ein und bring danach die Tischplatte zu deinen entspannten Unterarmen. Im Stehen gehst du genauso vor. Achte zusätzlich auf freien Beinraum und darauf, dass Bildschirm, Tastatur und Maus die gute Haltung nicht wieder zerstören.
Und vor allem: Mach aus dem höhenverstellbaren Schreibtisch keinen Steh-Schreibtisch. Sein größter Vorteil ist nicht das Stehen, sondern der einfache Wechsel der Haltung.
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Wenn du deinen Arbeitsplatz insgesamt prüfen möchtest, lies unseren Ratgeber Ergonomischer Arbeitsplatz ab 40: So richtest du ihn richtig ein. Für große Nutzer findest du außerdem unseren ausführlichen Vergleich Bürostuhl für große Menschen.
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